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Radikale Kämpferin gegen Unrecht und Missstände


Leider erkennen viele erst im Abstand den Wert der Mahnerin Dorothee Sölle“, sagt Horst Gorski, Propst des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein. „Unter den politisch engagierten Theologinnen und Theologen war sie eine der wenigen Frauen in der Kirche, die neue Frömmigkeitsformen entwickelt hat. Beispielsweise die Andachten bei den Politischen Nachtgebeten in Köln. Und sie versuchte das Evangelium in unsere Zeit zu übertragen.“

 

 

Mit ihren Büchern habe die Theologin zahlreiche Menschen erreicht und aufgerüttelt. Ihre Theologie über den Tod Gottes sei jedoch häufig missverstanden worden, erklärt Gorski. „Gott ist tot“ sei eine Chiffre Sölles dafür, dass die Christen neue, veränderte Gottesbilder suchen sollten.

 

 

 

Sölles Ehemann, der evangelische Theologe Fulbert Steffensky, blickte in einem Interview noch einmal zurück: „Das Leiden der Menschen war ihr ein theologisches Anliegen, nicht nur ein politisches.“ Dabei verschweigt Steffensky auch nicht, dass ihr streitlustiges Temperament ihr auch viele Gegner eingebracht hatte. Sie sei eben eine von Gegensätzen geprägte Frau gewesen, sagte er. „Sie war eine sanfte und sie war ein zornige Frau.“ Gerechtigkeit sei ihr eine Herzensangelegenheit gewesen. 34 Jahre lang war Sölle in zweiter Ehe mit dem ehemaligen Benediktinermönch und Religionspädagogen verheiratet. Im Jahr 2003 starb sie an einem Herzinfarkt. Ihretwegen sind vermutlich viele Menschen in der evangelischen Kirche geblieben.

 

Als Mahnerin gegen Abrüstung veranstaltete sie in den 70er Jahren Sitzblockaden. Aber sie polarisierte auch mit ihren radikalen Standpunkten. Sölle hat sich von vielen überkommenen Vorstellungen in der Theologie verabschiedet. „Atheistisch an Gott glauben“ ist der Titel eines ihrer Bücher und zeigt einen neuen Blick auf den Glauben, ohne jedoch die Hoffnung zu verlieren.

 

 

 

Der Fachbereich Evangelische Theologie und die Evangelische Studentinnen- und Studentengemeinde in Hamburg erinnern mit einer Vorlesungsreihe (14 Termine) an die streitbare Theologin. Titel der Reihe „Poesie, Prophetie, Power. Dorothee Sölle - die bleibende Provokation“.

 

Lesen zu die Termine bei www.kirche-hamburg.de