Der Traum von einer gewaltfreien Welt ist so aktuell wie eh und je. Denn Gewalt mit ihren verschiedenen Gesichtern ist präsent. Fast überall. Sie tötet, verletzt, unterdrückt, verleumdet, macht krank, hindert die volle Entfaltung von Leben. Gewaltfreiheit und Frieden lassen sich kaum auf der politischen Ebene entwickeln, wenn sie nicht kulturell verankert sind. Das heißt, soll Gewaltfreiheit und Frieden zum wirklichen Leitmotiv für Politik werden, muss sie sich in langwierigen Prozessen an der Basis der Gesellschaften entwickeln.
Deshalb ist es höchst wünschenswert, den Einsatz für Gewaltfreiheit nicht nur engagierten Minderheiten zu überlassen. Und so ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) das kürzlich begonnene Jahrzehnt zu einer Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit ausgerufen haben. Allerdings sind diese Aufrufe sehr allgemein gehalten und die deutlichen Konturen fehlen. Kaum ein Wort zu den Quellen und Ursachen der Gewalt, denen es heute insbesondere entgegen zu treten gilt. Es ist also noch viel Arbeit notwendig. Bücher können dabei hilfreich sein. Deshalb werden zwei vorgestellt, die Nachdenken anregen, Träume nähren, den eigenen Einsatz ermutigen, konkrete Projekte veranschaulichen können.
Der Verein Erev-Rav hat das lesenswerte Buch “Träume einer gewaltfreien Welt: Bibel - Koran - praktische Schritte” herausgebracht. Durch Bibel und Koran wird der Traum einer gewaltfreien Welt genährt. Das macht eine Vielzahl anregender und lesenswerter Beiträge deutlich. Eine spirituelle Ermutigung zur aktiven Gewaltfreiheit - eine Haltung, deren weitere Ausbreitung sowohl unter ChristenInnen wie Moslems wünschenswert ist. Der dritte Teil des Buches ist ganz praktischen Beispielen gewidmet, die ebenfalls sehr inspirierend sein können. Es geht z.B. um: “Der Friedenstisch im Kindergarten”, “Auf dem Weg ins freundliche Klassenzimmer: Streiten ist cool”, “Der runde Tisch gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit”, um “Gewalt gegen Altersverwirrte überwinden”. Schließlich werden im Anhang des Buches verschiedene wichtige Dokumente des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen veröffentlicht.
(Quelle: Buchbesprechung von Michael Schmidt, Lebenshaus Schwäbische Alb, Juni 2001)